Trotz Aufholjagd in den Schlussminuten mussten die Handballerinnen des TB Wülfrath im zweiten Heimspiel in Folge eine bittere Niederlage einstecken. Gegen die Zweitvertretung des 1. FSV Mainz 05 unterlag die Mannschaft von Jan Artmann und Jörg Büngeler in der MTC Arena dramatisch mit 29:30 (14:18).
Dass auf die Wülfratherinnen eine extrem anspruchsvolle Aufgabe zukommen würde, zeichnete sich bereits vor dem Anpfiff ab. Bedingt durch die Länderspielpause in den beiden Profiligen traten die Gäste aus Rheinland-Pfalz mit prominenter Unterstützung an: Gleich vier Akteurinnen aus dem zweitklassigen Bundesliga-Kader der „Dynamites“ liefen für die Mainzer Reserve auf.
„Es war dann doch – wie ein wenig befürchtet – ein anderes Spiel als erwartet“, bilanzierte Wülfraths Co-Trainer Jörg Büngeler nach dem Spiel. „Alles Lamentieren hilft nicht, solche Spielerinnenwechsel sind durch die Spielordnung gedeckt, sind uns natürlich bekannt und werden akzeptiert. Somit hat uns die Länderspielpause der 1. und 2. Liga aber nicht gerade geholfen.“
Dabei erwischte der TBW zunächst einen Start nach Maß. In einer ausgeglichenen Anfangsphase bis zum 3:3 (5.) behielten die Hausherrinnen kühlen Kopf. Begünstigt durch starke Paraden von Karo Hintz im Tor setzte sich der TBW durch Treffer von Nele Eckert und zweimal Leonie Lambertz erstmals auf 6:3 (7.) ab. Aufmerksam in der Deckung und gewohnt effektiv im Abschluss schraubten die Wülfratherinnen den Vorsprung beim 12:7 (20.) sogar auf fünf Tore hoch.
Anschließend kam es jedoch zu einem plötzlichen Bruch im Spiel der Gastgeberinnen. „Dann kam es auch aufgrund von Wechseln, die auf die Kappe des Trainerteams gehen, zu einem Einbruch im Angriffsspiel“, zeigte sich Büngeler selbstkritisch. Mainz nutzte die Schwächephase eiskalt aus, verkürzte binnen vier Minuten auf 12:11 und überrollte den TBW bis zur Pause mit einem drückenden 8:2-Lauf zum 14:18-Halbzeitstand.
Auch der Start in den zweiten Durchgang verlief unglücklich: Ein Alutreffer und eine vergebene Großchance blieben ungenutzt, woraufhin Mainz den Vorsprung auf 15:22 (38.) schraubte. Bis zur 52. Minute schienen die Felle beim Stand von 23:29 bereits komplett davongeschwommen zu sein.
Was folgte, war jedoch ein eindrucksvoller Beweis der Wülfrather Mentalität. Mit einer immer offensiveren Deckungsformation und einer bärenstarken Melanie Schindowski im Gehäuse blies der TBW zur Aufholjagd. Ball um Ball wurde erkämpft: Nele Eckert verkürzte zwei Minuten vor dem Ende auf 28:30, ehe Eva Legermann 60 Sekunden vor der Sirene den 29:30-Anschlusstreffer erzielte. 25 Sekunden vor Schluss erkämpfte sich der TBW noch einmal den Ballbesitz, verpasste es aber im Spiel Sieben-gegen-Sechs, den letzten Wurf auf das Tor der Gäste zu bringen.
„Unter den beschriebenen Randbedingungen war das eine starke Leistung. Und es hätte auch so klappen können mit einem Sieg, da wir uns ausreichend freie Chancen erarbeitet hatten, aber entweder am Alu oder an der Torhüterin gescheitert sind“, fasste Büngeler das Geschehen zusammen.
Personell musste der TBW kurzfristig auf die kranke Andrea Vojinovic verzichten; Elaine Meusch war verhindert und Nele Wagener fiel weiterhin verletzt aus. Trotz der Enttäuschung richtet sich der Blick direkt wieder nach vorne: „Wir nehmen die starke Endphase mit und bereiten uns auf das wichtige Spiel gegen Königsdorf – wieder ein Heimspiel – am nächsten Samstag intensiv vor“, so Büngeler.